Am ersten Fastensonntag wird in Neidenbach ein alter, tief im Dorf verwurzelter Brauch gefeiert: Scheefsunndich. Seit Generationen gehört dieses Ritual zum festen Jahreslauf, denn es symbolisiert den Abschied vom Winter und den Beginn einer neuen, hoffnungsvollen Jahreszeit. Im Mittelpunkt steht ein traditionelles Holzkreuz, das mit reichlich Stroh umwickelt wird und als „Strohmann“ den Winter vertreiben soll.
Die Vorbereitung liegt in den Händen der 14- bis 16‑jährigen Jungen des Dorfes, die sich jedes Jahr voller Tatkraft und Gemeinschaftsgeist um die Durchführung des Brauchs kümmern. Bereits Tage vorher gehen sie zu den Landwirten des Ortes und sammeln Stroh – ein Zeichen dafür, wie eng Landwirtschaft, Tradition und Dorfleben miteinander verbunden sind. Oberhalb des Friedhofs entsteht aus schweren Baumstämmen und helfenden Händen ein großes, stabiles Kreuz, das anschließend sorgfältig mit dem gesammelten Stroh umwickelt wird. Ist der Strohmann fertig, wird er aufgerichtet, fest verankert und so für den Abend vorbereitet.
Pünktlich um 18:30 Uhr versammelt sich das Dorf, um mitzuerleben, wie der Strohmann entzündet wird. Während die Flammen auflodern und ihr warmes Licht über das Tal werfen, wird gemeinsam der „Engel des Herrn“ gebetet – ein stiller, feierlicher Moment, der zeigt, wie sehr Tradition und Glauben hier miteinander verwoben sind.
Nach dem Abbrennen beginnt der zweite, geselligere Teil des Brauchs: Die Jugendlichen ziehen von Haus zu Haus, klopfen an die Türen und bitten um eine kleine Spende für den „Feuermann“. Begleitet wird dies von dem traditionellen Spruch:
„Für den armen Feuermann, wollen wir’n paar Eier han!“
Die Bewohner unterstützen diesen alten Brauch gern, und so kommen im Laufe des Abends Eier und Geldspenden zusammen. Später kehren die Jugendlichen im Gasthaus ein, wo von den Geldspenden Getränke gekauft werden. Ein Teil der gesammelten Eier wird gemeinsam gebraten – ein gemütlicher und fröhlicher Abschluss des Tages, der die Verbundenheit im Dorf lebendig hält.
Früher führte der Weg der Jugendlichen im Anschluss an das jüngste einheimische Brautpaar, das die erhaltenen Eier für alle zubereiten musste. Auch wenn dieser Teil des Brauchs heute nicht mehr praktiziert wird, lebt der Geist der Tradition fort – getragen von Gemeinschaft, Freude und dem Willen, altes Brauchtum weiterhin liebevoll zu pflegen.
