Die grundherrliche Zugehörigkeit der Höfe von Neidenbach in der Feudalzeit bis 1794
Es ist sehr schwierig, die grundherrliche Zugehörigkeit der einzelnen Höfe festzulegen, selbst bei dem Prozess vor dem Hochgericht in Luxemburg konnte diese Frage nicht geklärt werden. Eine vollkommene Ausbeute des Gerichtsaktes als Urkunde erbrachte keine klaren Ergebnisse.
Eine sehr wichtige Aussage über die grundherrliche Zugehörigkeit macht Schöttlers Peter von Qesch (Usch)
"alt in die 70 Jahr: Sagt er habe woll hoeren sagen, dass ein Herr zu Malbergh ihre Jeibserben gestorben und das halb Dorff Niedenbach in die Kirche zu St. Thomas geben aber wisse sonst keinen Bericht."
Der Zeuge Friederlers Peter, sagt seie ungefher 40 Jar, zu Niedenbach wohnhafft und auferzogen. Seine Aussage: ,,Sagt sie geben Schafft und dhienst zu St. Thomas, auch habe die frauwe einen Meyer da, denen man der Frauwen Meyer nennet, habe auch gehoert saqen, dass die Inwohner der Häuser uff Kilburgh gehoerigh, wie er den gesehen, dass sie uff der Kilburger bevelch dahin erscheinen muessen. Also auch geben dieselbe ghen Kilburgh Jars ein Rauchhohn und Schatzungh."
Eine kurtrierische Weinschenke in Neidenbach
Thomas Kuehirt zu Kilburgh gebürtigh von Walmersheim im Stifft Trier, alt ongefehrlich 70 Jhar.
Sagt; er wisse nicht, dass sie sich da eines gepots angenehmst haben, und habe er vor 40 Jharen in den Trierischen Heusern eins wein geschenckt, desgleichen auch ein Malburgisch von wegen der Herrschaft gezapt, haben die Malburgesche iren leuthen bevohlen, bei ime Zeugen nit Wein zu holen oder zu trinken, ime aber haben sie nichts verpotten wie auch im gleichen den Trierischen be ime zu trincken und habe der Trierischer Meyer und der Grundt Meyer zu St. Thomas ime den Wein uffgethen."
Selbst die Weinschenke, das Dorfgasthaus in Neidenbach, wird in diesen Streit der drei Grundherrschaften einbezogen.
Die Jagdrechte in Neidenbach
Die Jagdrechte in Neidenbach waren wichtige Anklagepunkte vor dem Hochgericht in Luxemburg, die Aussagen der Zeugen sagen uns, dass die drei Grundherrschaften die ganze Gemarkung Neidenbach bejagten.
Die drei Grundherren von Neidenbach führten immer wieder Realteilungen der Höfe durch. Nach einer Urkunde vom 16. 1. 1630 teilte Kurtrier: ,,ihre liegenden Güter in capita (nach Köpfen auf)." Die Folge war, dass durch solche Teilungen die Untertanen in äußerste Armut geraten und nicht mehr ausrechnen können, wer uns den gebührlichen Herrendienst leisten sollte. Das Kloster St. Thomas betrieb ebenfalls eifrig Realteilungen, so dass das Dorf Neidenbach nach einer Urkunde vom Jahre 1654 ,,zweiherrig" gewesen. Solche Güter der Abtei St. Thomas wurden aufgeteilt in die realen Hofgüter und in Möbelgüter. Durch diese Aufteilung der Höfe sollte die Höhe der Abgaben gewährleistet werden, zwei untertänige kleine Bauernhöfe sollten mehr Zehent erbringen, als ein Hof. Diese Realteilung schuf die größte Notlage in Neidenbach.
Nach der Feuerstellenliste vom Jahre 1541 haben wir folgende Anwesen in der Grafschaft Malberg:
| Freiheit Malberg | 29 |
| Nydenbach | 5 |
| Malbergweich | 8 |
Zu Luxemburg gehören im Jahre 1621:
| Freiheit Malberg | 45 |
| Nydenbach | 8 (der Rest gehört zu Kurtrier) |
| Malbergweich | 15 |
Dieses Feuerstellenverzeichnis aus dem Jahre 1541 liegt im Staatsarchiv in Brüssel.
Verzeichnis der Stiftskellerei zu Kyllburg aus dem Jahre 1562:
| Neidenbach | Erbzehnte |
|---|---|
| Johann Reiter | 1,4 Malter Hafer |
| Wilhelm Rolle | 4,9 Malter Hafer |
| Bäcker Vogtei | 7 Malter Hafer |
Die Palliengelder aus dem Jahre 1655 betragen für Neidenbach:
11 Stufen Luxemburgensis, 16 Alben, 4 denare. Termin für die Abgabe dieser Gelder war jährlich der 1. Januar oder zum Festtag Johannes des Täufers.
Die Einwohnerzahl von Neidenbach:
1570 = 70, 1652 = 50.
Wir sehen an dieser Einwohnerzahl deutlich die Verluste durch den Dreißigjährigen Krieg.
Kellereirechnung des Stiftes Kyllburg aus dem Jahre 1773/74:
In Neidenbach geben 4 Häuser Erbpacht:
1. ReitzJohann
2. Roth Hand-Wilhelm
3. Backes
4. Jans
1 Malter und 4 Sester Hafer,
9 Malter Hafer,
7 Sester Hafer.
Die Korneinnahmen des Stiftes Kyllburg von den Untertanen zu Malberg aus dem Jahre 1786:
Meyer zu Neidenbach: 1 Malter Korn.
Hafer: Schirmhafer, Rauchhafer = 2 Malter, 11 Sester. Hühnereinnahmen: 7 Stück.
Lebkucheneinnahme: Das adelige Gotteshaus St. Thomas läßt jährlich einen Lebkuchen herstellen, der nach Trier gebracht wird. Der Überbringer erhält als Boten lohn 6 Alben.
Spatzenköpfe-Einnahmen aus dem Jahre 1786:
Jeder Einwohner des Amtes ist schuldig, vor dem 1. April 10 Spatzenköpfe zu liefern. Wenn dieselben vor diesem Termin nicht abgeliefert sind, wird von jedem Kopf eineinhalb Albus gezahlt. Es entspricht diese Lieferung einer mehrmals eingegangenen kurfürstlichen Verordnung. Danach ergeben sich für den Raum Neidenbach folgende Zahlen:
Ehlenz 14, Kyllburg 87, Kyllburgweiler 14, Meisburg 16, Neidenbach 8 (ein Teil gehört zu Luxemburg), St. Thomas 10, Usch 8, Wilsecker 26 und Zendscheid 9.
Kellereieinnahmen von Kyllburg aus dem Jahre 1797:
Neidenbach liefert als Zehent zwei Malter Korn und 6 Sester Hafer. Der Küster von Neidenbach erhält für seinen Dienst jährlich vier Sester Korn. Der Erbpacht zu Neidenbach beträgt jährlich vier Malter Hafer. Die Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons haben eine 700 Jahre dauernde Feudalzeit in den Rheinlanden beendet. In dieser Zeit brach erstmals für das Dorf Neidenbach eine Zeit an, die Freiheit, Gemeinsamkeit, Selbständigkeit und das Bewusstsein, ein Dorf zu sein, brachte. Ein durch drei Grundherrschaften geteiltes Dorf konnte nun endlich zu einer echten Dorfgemeinschaft zusammenwachsen. Die freie Berufswahl ermöglichte den Neidenbachern erstmals> die Naturschätze der Heimat, Sandstein und Holz, als Erwerbs- und Lebensgrundlage zu benützen. Die Berufe der Steinpieker, Steinschleifer, Fuhrleute, Geräteschmiede, Stellmacher, Lohschläger, Weber, Leinenfärber, Händler usw. werden mit Freude und Eifer erstmals erlernt und ausgeübt. Nicht wenige Neidenbacher, denen der Lebensraum immer noch zu eng war, suchten ihr Lebensglück in der weiten Welt, auch in Nordamerika. Die neuen Berufe brachten Geld ins Haus, ins Dorf, in Neidenbach setzte eine rege Neubauperiode ein. Wenn wir durch die heutigen Straßen von Neidenbach gehen, so finden wir zahlreiche Häuser aus den Gründerjahren, sie tragen am Hauwerk über dem Türsturz die Jahreszahlen (1815 bis etwa 1850). Dieses halbe Jahrhundert war echt die goldene Zeit Neidenbachs. In anderen Dörfern des Bitburger Landes wurde in dieser Zeit kaum ein Neubau errichtet. Der wirtschaftliche Aufschwung, der Abbau des Sandsteines forderte ein neues Wegenetz, das dem neuen wirtschaftlichen Aufschwung angepasst wurde. Die Sandsteingruben waren die nie versiegenden Geldquellen, die Männer und Jungmänner Neidenbachs wurden von aller Welt anerkannte Fachleute der Sandsteinindustrie. Madonnen, Figuren von Heiligen und von Engeln und andere Kunstwerke wurden von den Neidenbachern mit Künstlerhand und großer Kunst aus dem Sandstein gehauen. Neidenbach war ein halbes Jahrhundert lang ein lndustrieort unserer Heimat geworden. Die Pfarrei St. Peter half bei der Anlage des neuen Wegenetzes mit. Anfang der sechziger Jahre wurden von der Pfarrei alle Felder an die Bevölkerung verkauft. Das heutige Wittum der Pfarrei ist daher sehr klein. Pfarrer Strakmann führte die endgültige Übereignung durch. Wir haben hier in Neidenbach das einmalige Beispiel, dass das Pfarrwittum dem Aufstieg und dem wirtschaftlichen Aufblühen der Gemeinde Neidenbach geopfert wurde. Seit der Zeit liefert die Gemeinde Neidenbach zum Pfarrgehalt 13,5 Malter Korn, 7,5 Malter Hafer, 2 Malter Heidekorn, 4000 Pfund Stroh und 5 Klafter Holz.
Wir wollen eine amtlich erfasste Ernteerhebung von Neidenbach aus dem Jahre 1880 anführen:
Weizen - SpezKorn 1700
Gerste 3000
Hafer 1350
Buchweizen 2000
Erbsen 1300
Ackerbohnen 1500
Lupinen 400
Kartoffeln 1850
Futterrunkel - Flachs 70
Klee, Heu 3500
Wiesen 4850
Loh in Schlägen:
Beiersbergschlag 2 ha 56 Ar, Ertrag 160 DM
Röderschlag 1 ha 50 Ar, 150 Zentner Lohe
Die Einwohnerzahl von Neidenbach in den letzten hundert Jahren:
1890: 535
1904: 599
1916: 650
1950: 886
Quellenangabe: Festschrift 800-Jahr-Feier der Gemeinde Neidenbach 1977
